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Stories 12. August 2017

Wie werden Bäume und Tiere geschützt?

Im Hirschenpark mussten im Rahmen der Bauarbeiten für den neuen RBS-Bahnhof Bäume gefällt werden. Die rechtlichen Anforderungen für Rodungen sind hoch. Bereits im Vorfeld der Arbeiten wurden diverse Massnahmen ergriffen, um die Auswirkungen auf Flora und Fauna möglichst gering zu halten.

Im Hirschenpark sind die Bauarbeiten in den vergangenen Wochen am augenfälligsten geworden. Vom Hirschenpark aus wird die Zufahrt zum neuen Bahnhof gebaut. Auf dem Areal des Parks soll eine riesige Baugrube von rund 30 m Tiefe sowie ein Installationsplatz für den Baustellenbetrieb entstehen. Dazu sind die Vorarbeiten jetzt in vollem Gange.

Eine Baugrube mitten in der Stadt

Im Rahmen der Projektierung wurde versucht, sowohl die Baugrube als auch den Installationsplatz so klein wie möglich zu gestalten, damit möglichst viele Bäume im Hirschenpark erhalten werden können. Trotz allen Anstrengungen mussten in den vergangen Wochen leider rund 40 Bäume gefällt und verschiedene Hecken und Sträucher entfernt werden. Eine Fläche für einen solchen Installationsplatz buchstäblich mitten in der Stadt Bern zu finden, stellte eine grosse Herausforderung dar. Denn der Standort muss Anschluss an den bestehenden Tunnel gewährleisten, eine ausreichend grosse Fläche aufweisen und auch verkehrsmässig gut angebunden sein. Der Hirschenpark kann diese Anforderungen gut erfüllen, wurde doch bereits der heute bestehende RBS-Tunnel von hier aus erstellt.

Umweltauflagen

Sicherlich verändert dieser Eingriff das Erscheinungsbild des Parks stark und stellt auch einen Verlust an ökologischen Werten im Gebiet Bierhübeli dar, boten doch einige der alten Bäume Schlaf- und Nistplätze für Fledermäuse und Vögel. An einem Baum wurde zudem eine in der Schweiz seltene Flechtenart festgestellt. Diese und viele weitere Umweltthemen werden im Umweltverträglichkeitsbericht UVB ausführlich behandelt, wo auch die vorhandenen und verloren gehenden Naturwerte ermittelt wurden. Im Rahmen der Plangenehmigungsverfügung (Baubewilligung) wurden dem RBS dazu einige Auflagen auferlegt.

Vorbereitung ausserhalb der Brutzeit

Bereits vor dem Beginn der Bauarbeiten wurden im nördlichen Teil des Hirschenparks Wildblumen angesät, um damit das Nahrungsangebot für Vögel und Fledermäuse im Gebiet Hirschenpark zu erhöhen. Zudem wurden auf dem Areal des Hirschenparks bereits im September 2016 zusätzliche Fledermaus- und Vogelkästen aufgehängt und bestehende Kästen umgehängt. Dies geschah bewusst ausserhalb der Brutzeit.

Die Fällung der Bäume und Sträucher wurde durch eine spezialisierte Forstunternehmung ausgeführt und durch die Umweltbaubegleitung mit erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten begleitet. Die gefällten Bäume wurden vorgängig und nach der Fällung auf Fledermäuse und Vögel abgesucht.

Eine Fledermaushöhle

Seltene Flechtenart

Die seltene Flechtenart wurde auf einen neuen Baum umgepflanzt. Diese Arbeit wurde von einem Flechten-Spezialisten durchgeführt und das Anwachsen wird nun weiter beobachtet. Der Erfolg dieser Verpflanzung wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Der Schlangenlauch, eine seltene im Hirschenpark vorkommende Pflanze, wurde auf andere Flächen in der Stadt Bern verpflanzt. Das verbleibende Parkensemble, die Allee an der Tiefenaustrasse, die Bäume an der Engestrasse und alle übrigen Parkbäume bleiben erhalten und werden während den Bauarbeiten bestmöglich geschützt.

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Die Flechte Candelariella viae-lacteae ©Scheidegger

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Die Flechte Candelariella viae-lacteae ©Scheidegger

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Entnahme der Flechte ©Scheidegger

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Transplantation ©Scheidegger

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Am Aargauerstalden hat die Flechte eine neue Heimat gefunden. ©Scheidegger

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Gefällte Bäume werden 1:1 ersetzt

Der RBS hat die Pflicht, dass die durch die Bauarbeiten beeinträchtigten ökologischen Werte gleichwertig wiederhergestellt werden müssen.  Ebenso werden später sämtliche gefällten Bäume in angemessener Grösse wieder neu gepflanzt. Jeder gefällte Baum wird mindestens 1:1 ersetzt. Da jüngere Bäume bei ihrer Pflanzung nicht einen vollwertigen Ersatz für gefällte Altbäume darstellen, sollen die Parkflächen zudem so wiederhergestellt werden, dass sie einen höheren ökologischen Wert aufweisen als vor Baubeginn.

Das Ziel ist es, den Park auf die Lebensraumansprüche der vorkommenden, geschützten Vögel und Fledermäuse auszurichten. Dabei soll das Augenmerk auf eine Erhöhung der Nistplätze sowie des Nahrungsangebots gelegt werden und ein kleinräumiges Mosaik von Wiesen, Gehölzgruppen und grossen Einzelbäumen entstehen. Die genaue Landschaftsplanung und Gestaltung des Hirschenparks ist heute noch offen und wird zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit der Stadt Bern definiert.

Text: IC Infraconsult (Umwelt-Baubegleitung)

3 Kommentare

  1. Dinu Berner

    genau, deshalb mussten sämtliche Bäume gefällt werden, auch dort, wo ganz bestimmt keine Grube sein wird (am Hang?). Es ist mir ehrlich gesagt egal, wie hoch die Bäume in 50 Jahren sein werden, für mich sind die nächsten paar Jahr relevant.

    1. Lieber Dinu
      Wir haben wirklich nur die Bäume gefällt, welche die Bauarbeiten verunmöglicht hätten; etwas anderes wäre nicht in unserem Interesse gewesen und wäre wohl auch nicht bewilligt worden.
      Liebe Grüsse, Christine
      (Wir haben in deinem Kommentar die unpassenden Passagen gelöscht.)

  2. Hans Müller

    In den nächsten 10 Jahren fliesst noch viel Wasser die Aare runter. Ob das (verunstaltete) Bauareal Hirschenpark dann tatsächlich wieder Platz für eine Parkanlage machen wird, steht in den Sternen. Wenn man die Bestrebung der Stadtregierung hinsichtlich Wohnungsbau auf bisher unbebautem Land im Länggassquartier anschaut (z.B. Viererfeld, Mittelfeld, ….(noch nicht) Waldstadt…), kann man schon seine Zweifel haben.

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