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Stories 16. Juni 2019

Ein Perron mit Flughafenfeeling

Wer ab Herbst 2019 mit dem Zug in Bern ankommt oder abreist, wähnt sich möglicherweise eher an einem Flughafen als an einem Bahnhof. Grund dafür ist das verlängerte Perron 9/10 mit einer ganz speziellen Konstruktion.

Eine Gangway am Bahnhof Bern? Das werden sich Zugreisende ab November 2019 wohl verwundert fragen, wenn sie auf den Gleisen 9 und 10 ankommen oder abfahren. Denn von der sogenannten «Welle», dem westlichen Zugang zum Bahnhof Bern, wird sich eine 170 Meter lange und 10 Meter breite Passerelle zum westlichen Ende des Perrons ziehen.

Dass es sich bei dieser Passerelle um ein begehbares Dach handelt und Teil der Perronverlängerung 9/10 ist, macht die ganze Sache im ersten Moment noch kurioser.

Der Auslöser dieses Projektes ist der Ausbau des Bahnhofs Bern. Sowohl der neue RBS-Bahnhof wie auch die neue Unterführung Mitte werden unter den bestehenden SBB Gleisen gebaut. Dadurch müssen immer wieder einzelne Gleise gesperrt werden. Als Ersatz baut die SBB deshalb eine Passerelle zwischen den Gleisen 9 und 10.

Das längste Perron in Bern.

Das bisher knapp 400 Meter lange Perron wird um 385 Meter verlängert. Das westliche Perronende wird ungefähr auf der Höhe des Stellwerks und der Installationsplattform Laupenstrasse liegen. So könnten theoretisch zwei Fernverkehrszüge auf dem gleichen Gleis abgefertigt werden. Dadurch wird das Perron 9/10 sicherlich zum längsten Perron im Raum Bern und zu einem der längsten der Schweiz.

Begehbares Dach entlastet Perron.

Nun will die SBB ihre Reisenden aber nicht im sprichwörtlichen Regen stehen lassen, deshalb erhält das Perron ein Dach. Der Platz auf dem Perron ist allerdings begrenzt, insbesondere wenn viele Reisende ein-, um- oder aussteigen wollen. Weshalb also das Dach nicht zur Entlastung des Perrons nutzen? Gesagt, geplant: Zwei Treppen und ein Lift machen aus dem Perrondach ein begehbares Dach im Stil einer Flughafengangway.

Inbetriebnahme im November 2019.

Der Baubeginn hat längst stattgefunden: Bis Ende Mitte Oktober haben die SBB Bauteams die sogenannten Fahrstrassen entflochten und die Gleise 9 und 10 umgebaut. Wer aktuell am westlichen Ende des Perrons 9/10 steht, kann bereits erahnen, wohin sich das Perron ziehen wird. Und noch viel deutlicher wird es in den nächsten Wochen, wenn die Bauteams die alten Gleise herausreissen und schliesslich die eigentliche die Verlängerung bauen. Im Sommer 2019 entsteht dann die «Gangway» zur Welle und ab der Inbetriebnahme im November kann auf das Flughafenfeeling am Bahnhof Bern gestaunt werden.

10 Kommentare

  1. Malik Mechai

    Alle Perron werden mit dieser Art von Installation ausgestattet sein oder nur mit dem 9/10?

    1. Martin Meier

      Danke für die Anfrage, nur das Perron Gleis 9/10 wird doppelstöckig.

  2. M.Gauch

    Mir wird der Nutzen der Brücke nicht ganz klar – man könnte ja auch unten weiterlaufen? Einfach um den Menschenmassen mehr Platz zu geben?

    1. Roman Marti

      Merci fürs Nachfragen. Das begehbare Perrondach soll ein rascher, bequemer Weg für Reisende sein, welche vom westlichen Ende des Perrons auf die Welle wollen oder umgekehrt. Das begehbare Perrondach trägt so dazu bei, dass sich die Reisenden besser über die ganze Perronlänge verteilen. Das bedeutet weniger Stau an einzelnen Zugtüren, was nicht nur relevant für den Komfort, sondern auch für die Pünktlichkeit ist.

  3. Max Muster

    Wird das „Gateway“ nach Abschluss sämtlicher Arbeiten im Zusammenhang mit dem neuen Bahnhof bestehen bleiben, oder wieder zurückgebaut?

    1. Roman Marti

      Gemäss aktueller Planung wird der verlängerte Perron Gleis 9/10 auch nach Abschluss der Arbeiten im Bahnhof Bern in Betrieb bleiben. Seine zusätzlichen Kapazitäten für Zugshalte helfen einerseits mit, den künftigen Fahrplanausbau stabil umsetzen zu können. Andererseits bieten die Kapazitäten mehr betriebliche Flexibilität bei Gleissperren und Störungen, was wiederum der Pünktlichkeit dient.

  4. A. Schroothy

    Was spricht dagegen, die restlichen Perrons ebenfalls mit einer Gangway zusätzlich zum neuen Ausgang Hirschengraben zu entlasten und somit die Flexibilität für die Reisenden wie aber auch für die Bahn zu steigern?

    1. Maria Wieland

      Aktuell sind keine weiteren Gangways oder Stege im Bahnhof Bern geplant. Mit den beiden neuen Zugängen zum Bahnhof, der neuen Unterführung sowie Entflechtungsprojekten im Bahnknoten Bern, werden künftig sowohl der Bahnhof Bern als auch der Bahnbetrieb entlastet und flexibler.

  5. Susi Löffel

    Das neue Perron ist sehr innovativ. Könnte die Innovation noch mit einer Passarelle erweitert werden, damit der Weg zur Insel kürzer wird?

    1. Maria Wieland

      Guten Tag Frau Löffel. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Es gibt aktuell keine Pläne für eine Überquerung vom Perron zur Stadtbachstrasse oder Laupenstrasse. Das Bedürfnis dafür war bisher nicht bekannt und entsprechend auch nicht im Vorprojekt enthalten. Grundsätzlich: Ein neuer Zugang zu einem Perron bedeutet auch, dass der Bahnhof einen ganz neuen Zugang erhält. Für Bahnhofzugänge gibt es Vorgaben wie beispielsweise, dass es dort Abfahrbildschirme, Veloabstellplätze, etc. braucht. Dafür braucht es Platz und dies alles müsste in einem weiteren grösseren Projekt geplant werden. Was aus baulicher Sicht auch ohne Pläne gesagt werden kann: Ein solcher Zugang müsste mehrere Gleisachsen überqueren. Dafür bräuchte es vermutlich zusätzliche Stützen im Gleisfeld wofür Gleise verschoben werden müssten. Zudem müsste das Perron Gleis 49/50 nebst den Kunden, die das Gleis 49/50 benützen, auch die Personen, welche den Zugang Stadtbachstrasse benützen, aufnehmen. Dies ist momentan nicht berücksichtigt und könnte bauliche Massnahmen nach sich ziehen. Selbstverständlich arbeitet die SBB laufend weiterhin daran, die Situation für die Reisenden zu verbessern. Sollten sich neue Lösungen im Sinne der Reisenden sinnvoll anbieten – allenfalls sogar in Form eines neuen Zuganges, würde eine entsprechende Planung in Angriff genommen. Liebe Grüsse

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